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Blog mit Gedanken zu Content und Marketing.
Vom Vertrauen
10/05/2022
Ein jüngst erreichter Sieg vor der Mietschlichtungsstelle hat für den Autor einen bitteren Geschmack. Vertrauen muss man sich erarbeiten. Es zu zerstören, dauert nur einen kaputten Prozess lang.

Zuerst war die pure Freude. Home. Meins. Klein und fein. Ganz neu die Wohnung, kein Luxus, aber direkt am Bahnhof, nicht ruhig, aber gut isoliert. Eine Oase für Arbeit und Schlaf.
An letzteres war dann doch nicht zu denken. Ein Baufehler. Hinter dem Haus die Gitterschächte, die den Schall von Autos übertragen, die darüber rollen. Nicht einmal Puffer halfen, nicht einmal die höchsten aller Bodenschwellen. Nur eine neue Wohnung.
Mehrfach bot ich eine kulante Lösung anstelle einer Klage und Überweisung des Mietzinses auf ein Sperrkonto an, in der Meinung, das reiche. Miteinander sprechen, eine Abmachung treffen. Vernunft. Ich hatte Unrecht. Nach Abgabe der Wohnung hätte ich 700 Franken für angebliche Mieterschäden bezahlen sollen. Ich ging vor die Schlichtungsstelle, die Vermieterin folgte, ein Mehrfaches der Summe ausgebend, die ich ihr geschuldet hätte und ich storniert wissen wollte. Die Richterin machte der Beklagten klar, dass ich weit mehr hätte einfordern können.
Der Prozess.
Ist heilig.
So heilig, dass Serafe Rechnungen an Flüchtlinge verschickt, die Compliance nicht mal ein Auge zudrücken will und mirnichtsdirnichts die Konten Vertriebener blockiert. So unantastbar ist der heilige Prozess, dass man den Zahlungsverkehr mit Russland blockiert, ohne dass es dazu eine Vorschrift gegeben hätte. Damit werden Verwandte von Familien, die in der Schweiz leben, buchstäblich abgeschnitten. Zum Beispiel von Medikamenten. So macht man kurzen Prozess.
Der Prozess, Sie wissen.
Es ist nichts falsch an einem Prozess, auch nicht an einem solchen, der juristisch abgesichert ist. Leider geht dabei oft die Kommunikation vergessen. Was geschieht, wenn der Prozess klemmt, wenn Ausnahmefälle auftreten, wenn man den Prozess kurz mal verbiegen muss, um menschlich zu bleiben?
Es reicht nicht, ein flapsiges Schreiben zu versenden, mit Hinweisen auf den Prozess – denn der Auslöser ist ja, dass der Prozess nicht funktioniert. Jedenfalls für den betroffenen Menschen nicht. Wer Prozesse aufsetzt und pflegt, sollte darum früh die Kommunikation mit dazuholen, nicht nur die Legal-Abteilung. Vertrauen aufzubauen dauert nämlich Jahre. Es zu zerstören, dafür reicht eine E-Mail. Oder eine Rechnung.


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